Das Festival in Kürze

Das Lausanne Underground Film & Music Festival (LUFF) macht es sich seit neun Jahren zur Aufgabe, mit seinem rahmensprengenden und originellen Programm, den Zuschauer zu erstaunen und zu herauszufordern. Seit seinen Anfängen bringt das LUFF Musik und Film in einer Alchemie von ungewöhnlichen Bildern und xenomorphen Klängen, Kreationen von innovativen Künstlern oder Avantgardisten aus der ganzen Welt zusammen die auf Schweizer Boden bis anhin nur wenig aufgetreten sind. Dieses Jahr findet das LUFF vom 20. bis 24. Oktober 2010 statt.

Film & Musik

Eine der ursprünglichen Berufungen des LUFF ist es die filmischen Werke der Gründerfiguren der Underground Bewegungen welche in den 1960er Jahren entstanden sind zugänglich zu machen, und Ihre historische Bedeutung, den Einfluss den sie auf das zeitgenössische Kino ausüben, ebenso wie Ihre spätere Entwicklung in den Vordergrund seines Schaffens zu stellen. Die zweite fundamentale Achse der Bemühungen des LUFF ist es  sich für die zahlreichen neuen Formen des sogenannten "marginalen" Kinos zu interessieren (dessen gemeinsamer Nenner im Allgemeinen die minimalen finanziellen Mittel sind). Die Filmprogrammation stellt sich daher auf natürlicher Weise aus mehreren Retrospektiven zusammen, die den Vorläufern des Underground gewidmet sind, dabei stellt das LUFF jedes Jahr einen international Wettbewerb bestehend aus aktuellen Underground Kurz- und Langspielfilmen vor. Jeder dieser Filme ist auf Grund seiner Form oder seines atypischen Inhalts nur wenig, oder sehr oft überhaupt nicht in den konventionellen, kommerziellen Vertriebskanälen präsent.

Das LUFF zeichnet sich am offensichtlichsten von seinen prestigeträchtigen Cousins ab (die Underground Film Festivals der, Lausanne um nichts nachstehenden Metropolen wie zum Beispiel New York) in dem es dem filmischen Programm ein musikalisches anschliesst, das nicht minder unersättlich ist. Auch wenn der Begriff Underground im Zusammenhang mit Musik etwas andere Aspekte enthüllt (extreme akustische Experimente, noch nie gesehene szenische Performances, neue aufstrebende Musikströmungen), so bemüht sich das LUFF Verbindungen und Parallelen zwischen Underground Film und Musik aufuzeigen. Diese Dualität macht das Festival zu einer einzigartigen kulturellen Plattform.
Das Aktionsfeld des LUFF hat sich im Laufe der Jahre noch weiter ausgebreitet, in Richtung anderer künstlerischer und medialen Formen: Die Herausgabe eines Buchses und/oder einer CD über einen sich am LUFF produzierenden Künstler, ein Wettbewerb zu einer künstlerischen Kreation die sich während des Festivals realisiert, ebenso wie eine vergängliche Radiostation und mehr oder minder verschrobenen Performances während der ganzen Dauer des Festivals. Die Association pour la Promotion de la Culture Indépendante (APCI -  Vereinigung für die Förderung der unabhängigen Kultur) dem das LUFF untersteht, organisiert des weiteren Filmprojektionen und Konzerte in der Schweiz und im Ausland und assoziiert sich mit anderen Festivals und Freunden.

Underground?

Ursprünglich ist der Begriff Underground verbunden mit gewissen filmischen Kreationen der 1960er Jahren aus Amerika die sich an die Arbeiten der französischen Nouvelle Vague anlehnten: entfesselte Kamera, neuartige Kadrage, der freie Zugang zur Montage, etc. Diese Filme die eine marginale Sicht der Welt zu sehen gaben, wurden im Rahmen von improvisierten Vorführungen in ungewöhnlichen Kontexten gezeigt und entkamen so der Zensur. Durch die Arbeiten der Vertreter des marginalen Films wie Jonas Mekas, P. Adams Sitney oder Annette Michelson (welche die amerikanische Avantgarde 1974 in Montreux im Rahmen der "nuits blanches" vorgestellt hat!) wurde der Begriff Underground als filmisches Genre geboren. Seitdem ist der Begriff in die Geschichte eingegangen und wurde von den einschlägigen Institutionen einverleibt.

Heute hat sich das kulturelle Schaffen in Richtung einer grösseren Durchlässigkeit der Grenzen zwischen industriellem Kino und dem Underground Kino verschoben. Das Aufkommen neuer technischer Mittel hat auf der einen Seite die Art des Filmschaffens beeinflusst und auf der anderen Seite hat dieser technische Wandel Veränderungen in der Filmdiffusion herbeigeführt. In Folge dessen muss der Status derjenigen einzigartigen Figuren unter einem neuen Licht betrachten werden, die heute den Weg der Avantgarde zu gehen versuchen. Genau diese Arbeit versucht das LUFF zu leisten. Die Marginalität ehrend, versucht das LUFF einen offenen Blick auf die Werke von Filmschaffenden und Musikern zu werfen die genial und innovativ, illuster oder weniger bekannt, es ablehnen den Weg der Einfachheit und des Kompromisses zu gehen.

Filmprogramm

Die Auswahl der Filme des LUFF versucht ebenso historisch aussagekräftig wie aufregend zu sein, ebenso thematisch wie abwechslungsreich. Wenn auf der einen Seite sich das LUFF dem heute institutionell anerkannten Erbe des Avantgarde- und Underground-Film der 1950er bis 1980er Jahren zuwendet (Andy Warhol, Kenneth Anger, Koji Wakamatsu, Richard Kern oder Jonas Mekas - um nur einige zu nennen), räumt das Festival ebenfalls dem unabhängigen internationalen Kino welches neue Wege geht, einen wichtigen Platz ein. Ob traumhaft oder trashig, politisch oder fantastisch, erotisch oder philosophisch, die am LUFF gezeigten Filme sind alle einzigartig und entsprechen kaum den Auswahlkriterien der traditionellen Filmdistribution. Die Programmschaffenden des LUFF halten das ganze Jahr über nach Filmen Ausschau um den Zuschauern eine Filmauswahl von Kurz- und Langfilmen präsentieren zu können, die sich Lichtjahre entfernt von den vorformatierten Produkten der Multiplex Kinos ansiedelt und laden zahlreiche Filmschaffende ein, sich und ihre Filme in Fleisch und Blut vorzustellen.

Musikprogramm

Seit seiner zweiten Ausgabe im Jahr 2002, schliesst das LUFF in sein Programm musikalische Konzertabende und Performances mit ein. Der musikalische Teil des Festivals entwickelt seither eine eigenständige Identität, nichts desto trotz ist er untrennbar mit seinem filmischen Pendant verbunden um mit ihm die Zweiköpfige fast monströse Einheit zu bilden die das LUFF heute ist. Mit den emblematischsten Persönlichkeiten der Noise- und experimentellen Musikszene, stellt das Musikprogramm jedes Jahr eine bestimmte Vision des musikalischen Undergrounds vor, die auf der Seite der grossen Vorläufer des Underground oder unter den jungen Sprossen neuer musikalischer Tendenzen anzusiedeln ist. Als ob dies alles noch nicht originell genug wäre, wird den Verbindungen zwischen Underground Musikern und Filmschaffenden jedes Jahr eine spezielle Aufmerksamkeit geboten (oder es werden gar neue Zusammenarbeiten direkt von den Programmierern herbeigerufen). Während den fünf Nächten mit verschiedenen thematischen aber unter sich kohärenten Achsen, verkehren irdische Erschütterungen mit verzerrten Gitarren und folgen vinyle Versessenheiten auf radikale szenische Performances. Wenn das LUFF es auch nicht auf seinen Plakaten erwähnt, wie es andere konventionellere Festivals gerne tun, lädt das Festival fast ausschliesslich exklusive Projekte ein.